Im Praxisprojekt „Kunst und Menschenrechte im Dialog“ entwickelten Kunstpädagogikstudierende in Zusammenarbeit mit dem Kunst- und Kulturpädagogischen Zentrum Nürnberg (KPZ) im Seminar „Museumspädagogik“ (Dozent: Dr. Alexander Schneider) ein Vermittlungskonzept für eine 4. und eine 8. Klasse im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg.
Ausgangspunkt bildete die 1993 eröffnete „Straße der Menschenrechte“ des Künstlers Dani Karavan, die unmittelbarer entlang des Museums verläuft und die 30 Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte im öffentlichen Raum sichtbar macht. Diese Installation wurde mit ausgewählten Werken der Museumssammlung in Beziehung gesetzt, um historische, symbolische und gegenwartsbezogene Perspektiven auf Menschenrechte miteinander ins Gespräch zu bringen. Der spezifische Kontext Nürnbergs – als Ort nationalsozialistischer Verbrechen und ihrer juristischen Aufarbeitung – verlieh der Thematik zusätzliche Relevanz.
Die Studierenden konzipierten mehrphasige Vermittlungseinheiten, die sowohl intensive Werkbetrachtungen als auch gestalterische Transferaufgaben umfassten. Dabei wurde darauf geachtet, Kunstwerke nicht illustrativ für politische Inhalte zu instrumentalisieren, sondern ihre ästhetische Eigenständigkeit und Mehrdeutigkeit mitzudenken.
Im Rahmen einer Vermittlungssequenz zur Mosesfigur vom Schönen Brunnen (1385-1392) setzten sich Schülerinnen und Schüler einer vierten Grundschulklasse mit Wertvorstellungen auseinander. Sie formulierten Regeln für ein respektvolles Zusammenleben und gestalteten dazu Steine. Das Material fungierte dabei als verbindendes Leitmotiv: Persönliche Werte trafen symbolisch auf die dauerhaft im Stadtraum verankerten Menschenrechtsartikel. Auf diese Weise wurden abstrakte Begriffe wie Gleichberechtigung oder Gewaltfreiheit in eine sinnlich erfahrbare Form übersetzt.
Das Projekt zeigt exemplarisch, wie kunstpädagogische Werkerschließung und gesellschaftliche Fragestellungen im Museum miteinander verbunden werden können. Zugleich verweist es auf das Potenzial, das darin liegt, dass sich aus der Auseinandersetzung mit Kunstwerken Perspektiven auf gesellschaftlich relevante Fragen eröffnen können.
Zum Praxisprojekt ist in den BDK-Mitteilungen 01/2026 zusammen mit Studierenden ein Beitrag erschienen.
Schneider, A. & Zellhuber, I. (2026). Kunst und Menschenrechte im Dialog. Ein Vermittlungsprojekt im Germanischen Nationalmuseum. BDK-Mitteilungen 01/2026, S. 34-39.
